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»Ich bin ständig auf der Suche«

 
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»Ich bin ständig auf der Suche«

Swing- und Jazzmusiker Roger Cicero im Interview


2012_01_09_cicero_gr


Roger Cicero ist mal wieder auf Tour, und kommt am 15. März auch nach Braunschweig in die Stadthalle. Im Gepäck: Seine Big Band, das neue Album „In diesem Moment“ und eine neuartige Ernsthaftigkeit. Wir sprachen mit dem Jazzer über Liveauftritte, den Sinn und Zweck von Casting-Shows und musikalische Vorbilder.  

2012_01_09_cicero_1Herr Cicero, nach 2009 kommen Sie Anfang des nächsten Jahres wieder nach Braunschweig – freuen Sie sich schon auf die Löwenstadt?
Ja, sehr sogar. Ich habe das 2009er-Konzert noch gut in Erinnerung – es war eines der ersten in der Region und von der Stimmung her ein besonders schönes.

Erzählen Sie doch mal etwas über die neue Tour. Singen Sie, wie bei der letzten Tour, etwas ungewohnt, auch auf ein paar Stücke auf Englisch?   
Ich werde natürlich wieder mit meiner Big Band unterwegs sein. Wir werden mit viel Spielfreude und Energie alles geben. Auch wird man, wie bei der letzten Tour, etwas auf Englisch von mir hören. Es wird ein Cover sein. Aber das ist noch geheim.

Könnten Sie sich vorstellen, wie zu Ihren Anfängen, ausschließlich auf Englisch zu singen?
Nein, meine Platten werden auch in Zukunft auf Deutsch sein. Und ganz am Anfang meiner Karriere, als ich wirklich nur auf Englisch gesungen habe, waren mir die Texte nicht ganz so wichtig. Ich wollte einfach nur Singen. Ich habe Texte nur als Transport für Melodien betrachtet. Und irgendwann hat sich das dann gewandelt. Ich sang zwar immer noch auf Englisch, aber kam an einen Punkt in meinem Leben an, an dem es mir wichtig war, Geschichten zu erzählen. Das Problem war aber, dass ich immer das Gefühl hatte, dass mich die Leute nicht vollständig verstehen können bzw. dass auf die Inhalte der Texte nicht so richtig geachtet wird. Das hat mich irgendwann richtig gestört.

Dass Sie gerne Geschichten erzählen, zeigt sich ja auch anhand Ihres Buches „Weggefährten – Songs zu meinem Leben“ ...
Ja, richtig. Es geht darum, dass man zu bestimmten Zeiten in seinem Leben bestimmte Songs hört. Darum, wie man sich in seinen einzelnen Lebensabschnitten gefühlt hat. Viele kleine Geschichten – ganz wie in den Texten meiner Songs.

Sie waren 2003 auch eine Zeit lang Gastmusiker bei der Braunschweiger Band Jazzkantine ...

Ja, immer mal wieder. Die Jazzkantine ist eine sehr, sehr gute Band, und da gab es diese legendären Blauhaus-Partys – ich war immer verblüfft, wie viel da los war.

Könnten Sie sich auch Gastmusiker für Ihre Big Band vorstellen?
Ich bin ein alter Jazzmusiker und kann mir deswegen Gastauftritte, ein spontanes Zusammenwirken sehr gut vorstellen. Neue Formationen finde ich reizvoll, sie bereichern die musikalische Vielfältigkeit und Ausgewogenheit.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten: Mit wem würden Sie gerne mal zusammen Musik machen?

Mit Prince! Ich nehme an, ich muss keine realistische Antwort geben. Ich bin schon seit Jahren glühender Fan von ihm. Er ist eines der letzten noch lebenden Musik-Genies. Das würde mich schon irre reizen.

Was macht für Sie die Faszination von Swing und Jazz aus?

In erster Linie die Improvisationsfreiheit. Ich mag es, wenn es lebendig bleibt. Wenn kein Konzert gleich ist, immer etwas Neues hinzukommt. Ich selbst bin ständig auf der Suche in meinem Leben – und das spiegelt sich ganz gut im Jazz wider. Hier kann ich mich ausleben.

Bei Ihrem aktuellen Album „In diesem Moment“ fällt auf, dass Ihre Texte ernster und selbstreflektierter geworden sind – was steckt hinter diesem neuen Ansatz?
Es war an der Zeit, diese ernste Seite von mir, auch musikalisch auszudrücken. Das war bisher etwas, was ich ausgespart habe. Es gab zuvor einfach keinen Raum dafür. Und jetzt ist der richtige Moment für „In diesem Moment“ gekommen (lacht).

Hängt das vielleicht auch mit Ihrem aktuellen, inzwischen etwas zurückhaltenderen Lebensstil mit Frau und Kind zusammen?

Nun, diese Ernsthaftigkeit war schon immer in mir verankert. Nur musikalisch habe ich sie bisher nicht gezeigt. Es ist für mich ein Hinzufügen. Ich fühle mich jetzt als Künstler einfach besser, wenn ich neben den etwas humoristischeren Themen auch diese Ernsthaftigkeit auf die Bühne bringe. Das bin ich.

Sie haben 2009 auch Erfahrungen im Bereich Schauspielerei und Synchronisation gesammelt – waren das einmalige Ausflüge?

Das mit der Schauspielerei war eher zufällig. Die Rolle, die Größe der Rolle und die Art des Films haben einfach gepasst ... Aber ich bin in diesem Bereich, um ehrlich zu sein, auch nicht so wirklich vielseitig einsetzbar. Das liegt aber auch gar nicht in meinem Interesse: Ich bin mit Leib und Seele Musiker. Der Bereich Synchronisation würde mich dagegen schon noch mal reizen. Für Disney zu arbeiten war eine Ehre für mich, und es hat unglaublich viel Spaß gemacht.

Was halten Sie von Casting-Shows?
Schwierig ... Casting-Shows würde ich allgemeinhin nicht empfehlen. Erstens sind die Chancen zu gewinnen sehr gering und dass man nach einem Sieg Erfolg hat, ist auch nicht immer so. Ich würde sogar so weit gehen, zu sagen, dass in diesen Sendungen kein Talent gefördert wird. Es sind reine Unterhaltungs-Shows. Das muss einem klar sein.

2012_01_09_cicero_2Könnten Sie sich vorstellen – wie Till Brönner – in einer TV-Jury zu sitzen?
Man kann so etwas nie ausschließen. Aber es ist wirklich nicht meine oberste Priorität, in einer Jury zu sitzen.

Und wie macht man es richtig? Wie wird man heutzutage ein erfolgreicher Sänger und Musiker?
Da gibt es nicht diesen einen Weg. Über Bands, Produzenten ... Es gibt so viele Wege wie Karrieren im Musik-Geschäft. In jedem Fall muss man immer hart an sich arbeiten, versuchen, sich ständig zu verbessern. Und man muss möglichst oft auf der Bühne sein. Denn der Beruf des Musikers findet hauptsächlich dort statt.

Was sind Ihre zukünftigen Pläne?
Erstmal konzentriere ich mich ganz auf meine Tournee.  Darauf freue ich mich unglaublich. Alles andere wird man sehen.


Nils-Andreas Andermark für SUBWAY Medien / Fotocredit: Mathias Bothor, Warner Music, Braunschweig Stadtmarketing GmbH

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