»Elitäres Nasenrümpfen« |
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»Elitäres Nasenrümpfen«
»Keinohrhasen«-Star Nora Tschirner über ihren aktuellen Film »Offroad«

An der Seite von Til Schweiger wurde die 30-jährige Berliner Schauspielerin Nora Tschirner zum Superstar, war in „Keinohrhasen“, „Zweiohrküken“ und in „What A Man“ zu sehen. Außerdem spielt sie Theater, unter anderem in einer Bühnenversion von „Trainspotting“, moderierte gemeinsam mit Christian Ulmen und spielte die Hauptrolle in der preisgekrönten Serie „Ijon Tichy: Raumpilot“, einer Verfilmung der „Sterntagebücher“ von Stanislaw Lem. In ihrem aktuellen Film „Offroad“, der seit Donnerstag in den Kinos läuft, spielt sie Meike, die von ihrem geraden Lebensweg abweicht, um in einem Jeep die kurvige, raue, aber auch romantische Seite des Lebens kennenzulernen. Wir trafen Nora Tschirner bei der Premiere im Cinemaxx Wolfsburg.
Was unterscheidet die Rolle der Meike auf „Offroad“ von der der Anna aus „Keinohrhasen“?
Ungefähr zwei Millionen Details. Wer die Filme gesehen hat, kann das besser entscheiden als ich. Für mich sind die beiden vom Spiel her sehr, sehr unterschiedlich, das ist bei mir eher ein gefühlsmäßiger Unterschied. Die Frage ist so ähnlich wie: Was ist der Unterschied zwischen wach sein und müde sein? Da müsste ich jetzt 85 Millionen verschiedener Körperfunktionen aufzählen und das macht keinen Sinn. Aber es sind beides Frauenrollen – und sie haben unterschiedliche Haarfarben.
Welche Haarfarbe bevorzugst du?
Mir ist das total wurscht – was auch immer für die Rolle gut passt. Ich bin da eher froh, wenn eine Farbe funktioniert. Bei Meike, meinem Charakter aus „Offroad“, war es ein ausgefeilter Prozess, uns genau diesen Ton zu überlegen. Es ist kein Zufall, dass sie so aussieht. Und wenn man eine perfekte Haarfarbe und auch ein passendes Kostüm für eine Figur findet, ist das hilfreich und enorm wichtig.
Bist du selber den Jeep gefahren?
Es durfte ihn kaum jemand anderes fahren. Der Jeep und ich waren unzertrennlich. Ich habe es manchmal auch anderen Leuten erlaubt, aber nicht oft.
Gab es dabei Zwischenfälle?
Da hat mittlerweile eine Art Legendenbildung stattgefunden. Ich gebe offen zu, dass ich bei „Soloalbum“ ein Auto komplett geschrottet habe. Gut, ich hatte damals keinen Führerschein, aber ich nehme das trotzdem voll auf meine Kappe. Bei „Offroad“ lag es, das muss ich jetzt mal sagen, an einer Gruppenhonkigkeit, weil wir nicht drauf gekommen sind, dass man eine Kamera vielleicht mal sichern muss, wenn wir in einer Kiesgrube drehen. Das heißt, mir ist der Kameramann beim Fahren samt Kamera in den Arm gefallen. Da kann man leider nicht mehr so viel machen. Es war tatsächlich nicht meine Schuld, aber es war brenzlig. Danach kamen wir dann darauf, die Kameras mit Spanngurten festzumachen, und dann ist da auch nichts mehr passiert.
Deine Figur verkörpert – zumindest am Anfang – einen sehr linearen Lebenslauf: Schule, Studium, Job, Reihenhaus, Kinder. Hat dieses Lebensmodell heute noch Relevanz?
Ich weiß gar nicht, ob das eine Generationsfrage ist. Ob diese Geradlinigkeit ausstirbt, weiß ich nicht. Ich glaube aber, was wirklich ausstirbt, ist diese eine Karriere, die es für immer sein muss, weil das „für immer“ einfach sehr viel länger geworden ist, weil wir länger leben. Dass jetzt aber eine komplette Generation aus Quereinsteigern besteht, glaube ich eher nicht. Das ist eine Typfrage und wird es wohl auch bleiben. Für manche Leute ist es super, wenn es ganz geradlinig vorwärts geht. Und die sind damit auch leidenschaftlich glücklich.
Wie würdest du dich da persönlich einordnen?
Einen Medienjob, wie ich ihn mache, würde ich auf jeden Fall nur Leuten empfehlen, die keinen Herzkasper kriegen, wenn nicht alles immer total sicher ist und man nicht so gut abschätzen kann, was morgen ist. Das muss man einfach aushalten können.Wenn das für jemanden ein Problem ist, ist es eher schwierig, Künstler zu sein. Aber vielleicht hat man dann auch gar nicht so eine Sehnsucht danach.
Wäre es für dich auch reizvoll, mal in eine ganz andere Richtung zu gehen, zum Beispiel mal einen Actionfilm zu drehen?
Ich hab ja jetzt auch schon rumgeballert, mich geprügelt, musste Stunts machen. Auch in „Offroad“ ist eine Menge Action drin. Aber ich bin grundsätzlich für alles offen, mir darf nur nicht langweilig werden.
Was ist für dich wichtig, wenn du dir eine Rolle aussuchst?
Sie muss mich ansprechen. Das ist zwar eine sehr abstrakte Antwort, aber das können sehr verschiedene Sachen sein. Ich muss irgendwas an der Rolle finden, das mich interessiert. Die Sprache der Figur, eine guterzählte Geschichte, gute Dialoge. An „Offroad“ fand ich das „Einsame-Wolf-Ding“ meines Charakters Meike ganz spannend. Jemand, der eigentlich aus einem abgesicherten Umfeld kommt und plötzlich ausbricht. Aber eigentlich macht sie das ja auch schon vorher. Als sie sich den Jeep kauft, blitzt schon durch, dass jemand sehr starkes in ihr schlummert. Ich finde das spannend, wenn jemand seine eigene starke Schulter sein muss und sich nicht immer an jemanden anlehnt.
Ist es für dich wichtig, mit wem du einen Film machst?
Extrem wichtig. Deswegen gehe ich zum Beispiel auch gerne zu Castings. Ich habe kein Problem damit, weil ich mich freue, wenn man schon am Anfang mal eine Arbeitssituation austesten kann. Es kann dann auch sein, dass für mich die Rolle dadurch spannend wird, dass ich mit jemandem zusammen arbeiten kann, den aufgrund seiner Arbeit schätze. Wenn wir die gleiche Sprache sprechen, können auch Rollen spannend werden, die ich sonst vielleicht eher fad finden würde.
Kannst du dir inzwischen aussuchen, mit wem du zusammenarbeitest?
Mittlerweile bin ich in einer Situation, in der ich aus dem Vollen schöpfen kann. Aber ich habe mir früher schon angeguckt, was es so gibt. Und manchmal auch mal lieber abgewartet, wenn nichts Gutes da war. Ich muss natürlich auch keine Familie ernähren. Als alleinstehende Person, die nur für sich selbst verantwortlich ist, habe ich den Luxus auszuwählen. Und von diesem Luxus mache ich auch gerne Gebrauch.
Wie hast du die Zusammenarbeit mit Til Schweiger erlebt?
Als inspirierend. Er ist ein unglaubliches Arbeitstier, im besten Sinne, hat einfach Ahnung von allen Bereichen am Set,. Und das ist nicht bei jedem Regisseur so. Alles geht letztendlich durch seine Hände. Außerdem ist er unglaublich multitaskingfähig, er ist derjenige, der an so einem Film am meisten arbeitet, auch schon am Set. Davor, danach und in der Mittagspause schneidet er noch und schreibt hier noch und telefoniert da noch mit Timbaland, um ein Lied zu kriegen. Es wird einem echt schwindelig, wenn man zuguckt, wie er arbeitet. Man sitzt daneben und fasst es nicht so ganz.
Inwiefern geht der deutsche Film in Richtung Comedy wie „Keinohrhasen“, die in erster Linie unterhält und auf das Publikum zugeht?
Das kann ich nicht abschätzen, aber ich sehe es schon eher als eine Qualität an. Das heißt jetzt nicht, dass jeder Film so sein muss. Aber in Deutschland zieht Unterhaltung eben oft noch ein elitäres Naserümpfen nach sich, von wegen „das ist ja 'nur' Unterhaltung“. Ich möchte erstmal die Person sehen, die sich vor 50 Leute auf einer Hochzeit stellt und mal zehn Minuten den Saal unterhält, wenn das „nur“ Unterhaltung ist.
Sebastian Heise für SUBWAY Medien / Fotocredit: Paramount

