kopfbild_regio-blick_984x130
Logo Öffentliche inv.gif Logo Öffentliche pos
Privatkunden
Firmenkunden
  • KONTAKT
  • Klammeraffe
  • Telefon
  • Email
  • Figur
Versicherungen Service Regio-Blick Über uns

  • Regio-Blick
  • Niedersachsen
  • Kultur
    • Staatstheater
  • Sport
  • Auto und Mobilität
  • Familie
  • Gesundheit
  • Haus und Wohnen
  • Kapital und Recht
  • Freemail 38.de

»Ich habe ein Zigeuner-Herz«

 
  • zurück
 

»Ich habe ein Zigeuner-Herz«

Die kubanische Sängerin Addys Mercedes lebt und musiziert zwischen den Kulturen


12_02_03_addys_gr

Mit ihrer Mischung aus kubanischen Wurzeln, spanischen Texten und Einflüssen der Pop-Musik eroberte sich Sängerin Addys Mercedes schnell einen großen Hörerkreis in Deutschland und Spanien. Heute lebt die gebürtige Kubanerin in Essen, ihr drittes Album „Addys“ ist gerade erschienen. Auf der neuen CD erzählt Addys von ihrem Leiden am deutschen nass-kalten Wetter, ihren persönlichen Erfahrungen zwischen den Kulturen und ihrem Wunsch, als Kind Schauspielerin und Sängerin werden zu wollen. Am 28. Februar wird sie live in der Bar Celona in Wolfsburg zu sehen sein, am 29. Februar in der Finca Bar Celona in Hannover. Wir sprachen mit ihr über ihre Heimat Kuba, ihr Bild von Deutschland und ihren Leidenschaften Reisen und natürlich Musik.


12_02_03_addys_1Wie würdest du selbst deine Musik beschreiben?

Meine Musik ist eine Mischung aus kubanischen Wurzeln und westlicher Musik, also Pop und anderer Elemente. Ich würde sagen kubanischer Pop.

Du singst primär auf Spanisch. Hast du auch schon mal Songs auf einer anderen Sprache aufgenommen?
Ja, auf meinem zweiten Album habe ich zwei Lieder auf Englisch gesungen. Deutsch habe ich noch nicht versucht. Es kann sein, dass ich das irgendwann mache, aber ich kann meine Gefühle auf Spanisch, also in meiner Muttersprache, einfach besser ausdrücken.

Bekommt Musik dann auch einen anderen Charakter - inwiefern verändert sich Musik mit der Sprache, in der gesungen wird?
Ich finde, manche Sachen kann man zum Beispiel mit einem Rap besser aussprechen. Spanisch ist aber eine eher romantische Sprache, wenn ich also an Balladen denke, dann kommt mir Spanisch in den Sinn. Deutsch hingegen ist eine eher realistische Sprache, viele Dinge kann man so gut mit Rap oder auch Gesang aussprechen.

Du sagst, dass Spanisch eine romantische Sprache bist. Bist du denn auch der romantische Typ?

Wenn wir in Kuba Lieder schreiben, dann sind sie sehr romantisch. Aber das kann manchmal auch ein bisschen zu süß sein (lacht). Ich mag diese Mischung: Ein bisschen aus meiner Heimat, also das Romantische, und ein bisschen von der Art, wie die Leute hier ihre Texte schreiben.

Was bedeutet Kuba allgemein für dich?
Das ist meine Heimat, wo ich geboren bin und meine ersten Lebenserfahrungen gemacht habe. Das ist meine Familie – meine Mutter, meine Oma, meine Geschwister. Das ist natürlich ein großer Teil von mir. Ich sage mal, meine erste Heimat. Deutschland ist dann die zweite.

Wie hast du das Land Kuba erlebt? Wie hat es sich im Laufe der Jahre gewandelt?
Eigentlich nicht viel. Ich glaube, ich habe mich eher verändert. Dadurch, dass ich hier her kam und eine neue Sprache gelernt habe, veränderte sich auch automatisch meine Mentalität. Und dann merkt man auf einmal, dass einem dies und das nicht passt in Kuba, aber das Land an sich hat sich eigentlich nicht verändert. Man hat das Gefühl, 50 Jahre zurückzugehen, wenn man nach Kuba kommt. Klar, die Leute verändern sich auch. Aber nicht annähernd so schnell wie hier. Es ist nicht so hektisch wie hier, alles ist sehr viel langsamer.

Kuba hat wahrscheinlich eine der bewegtesten Geschichten der letzten Jahrzehnte. Wie bewertest du die Entwicklung, die das Land mitgemacht hat?
Ich wünsche mir, dass es mehr Veränderung geben würde. Ich finde, es geht viel zu langsam. Ich bin seit ungefähr 18 Jahren in Deutschland und bin damals schon mit dem Gedanken weggegangen, dass es vielleicht ganz anders sein würde, wenn ich wiederkomme. Aber ich bin jedes Mal wieder überrascht, dass es so lange dauert. Das ist nun fast 20 Jahre her und ich finde es ganz schlimm, wenn die Leute einfach nicht so frei ausreisen können, wie sie wollen.Viele Leute würden gar nicht ins Ausland reisen, wenn sie die Wahl hätten, um zu vergleichen, was habe ich hier, was habe ich in Kuba. Viele Kubaner kennen das Ausland nur von Erzählungen. Zum Beispiel mein Vater hat mich gefragt : 'Wie lebt man in Deutschland? Muss man da Miete bezahlen?' Und ich habe gesagt: 'Ja, die meisten Menschen haben kein eigenes Haus, sondern die leben zur Miete in einer Wohnung.' Dann wollte er wissen, was passiert, wenn man die Miete mal nicht bezahlen kann, und ich habe ihm gesagt 'Ja, dann fliegst du ganz einfach raus.' So könnte er nicht leben, hat er gesagt (lacht). Kubaner leben zwar nur in einer kleinen Hütte, aber das ist ihre eigene. Viele sind neugierig auf die Welt, aber können nicht sagen: 'Ich kaufe mir ein Ticket und fliege weg'. Deswegen bleiben viele im Ausland, wenn sie die Möglichkeit haben, dürfen dann aber nicht mehr nach Kuba zurückreisen. Das finde ich nicht gut, das hätte sich lange schon verändern müssen.

Möchtest du mit deiner Musik auch politisch etwas aussagen?
Ich bin kein politischer Mensch. Ich bin auf dem Land aufgewachsen, wir hatten nicht einmal einen Fernseher. Politik war bei uns einfach kein Thema, ich komme aus sehr einfachen Verhältnissen. Aber ich habe schon Sachen erlebt, die mich irgendwie gestört haben. Ich habe in einem Tourismuszentrum gearbeitet und das war fast wie ein neues Land und ich fühlte mich einfach irgendwie schlecht. Ich dachte: 'Oh Gott, meine Familie weiß nicht, was sie morgen essen soll, und hier gibt es jeden Luxus, den man sich vorstellen kann.' Damals war ich 18 und das hat mich sehr schockiert. Das war vielleicht auch ein Grund, auszuwandern und zu sehen, wie die Sache in anderen Teilen der Welt läuft. Aber mit Politik habe ich nicht viel am Hut. Ich kann nur von eigenen Erfahrungen sprechen.

Dein Vater ist ein ganz besonderer Mensch für dich, wie man auch auf deiner Homepage lesen kann. Was verbindest du mit ihm?
Musik. Ich bin leider nicht mit ihm aufgewachsen, da sich meine Eltern getrennt haben, als ich ungefähr ein Jahr alt war. Ich habe ihn ganz selten gesehen, aber wenn wir uns getroffen haben, dann haben wir Musik gemacht, diese Leidenschaft habe ich also von ihm. Ich kann mich erinnern, wie er sich vor einen Baum gesetzt und Gitarre gespielt hat. Er hat sich gewünscht, dass ich Sängerin werde, damit ich mit ihm zusammen singen kann.

Was hat dich zur Musik geführt?
Ich kann das schwer sagen, das war für mich ein Kinderwunsch. Ich denke manchmal, dass es vielleicht daran lag, dass ich auf dem Land aufgewachsen bin und es dort einfach keine Musikschule gab, das war also unerreichbar. Ich wollte immer irgendwas mit Kunst machen und in Kuba war immer Musik, überall, wo man war. Es war also irgendwie dieses Unerreichbare, das mich wahrscheinlich noch mehr motiviert hat (lacht).

Deine neue Single „Hollywood“ handelt von dem Weg des Künstlers, und dass dir auch davon abgeraten wurde ...

Ja, dadurch, dass meine Mutter alleinerziehend war und wir vier Kinder waren, war das für meine Mutter nur ein Traum, der eben unmöglich war. 'Ja komm, träum nicht', hat sie gesagt (lacht). 'Sei eine gute Schülerin und lerne etwas Vernünftiges, was dir Sicherheit bringt'.

Was verbindest du mit Hollywood?
Mit Hollywood verbinde ich die Filme, die ich früher als Kind geguckt habe. Wir sind zu unseren Nachbarn gegangen, um Filme zu gucken, weil kaum jemand damals einen Fernseher zu Hause hatte – auch wir nicht. Und natürlich meinen damaligen Traum, Schauspielerin zu werden. Ein bisschen Fantasie und Kindertraum.

Wieso heißt dein neues Album nur noch „Addys“?
Ich habe viel darüber nachgedacht und denke, dass dieses das Album ist, mit dem ich mich selbst gefunden habe. Ich habe jahrelang ausprobiert und mein erstes Album war noch sehr kubanisch, weil ich frisch in Deutschland und noch nicht so sehr beeinflusst war. Das zweite Album war schon mehr eine Mischung aus Kuba, Pop, R'n'B und elektronischen Elementen. Und dieses Album ist das, mit dem ich mich am meisten identifiziere. Viele Sachen aus meiner Vergangenheit und was ich alles in Europa erlebt habe, erzähle ich auf ihm.

Du hast aber auch ein Lied über das verregnete Wetter in Deutschland geschrieben …
Ja, das war am Anfang, als ich nach Deutschland kam. Ich kam ohne jede Idee nach Deutschland, was mich hier erwarten könnte.Wie ich schon gesagt habe, die Kubaner haben nicht wirklich eine Vorstellung von anderen Ländern. Alles ist manipuliert, du kriegst einfach nicht viel mit. Und dann kam ich am Flughafen an und da war dieser riesige Platz und es war alles sehr hektisch, aber ganz leise. In Kuba machen schon drei Leute viel Krach. Hier war eine unglaubliche Ruhe – das hat mich sehr beeindruckt. Und so eine Kälte hatte ich noch nie erlebt, das war schon sehr hart für mich. Und dann habe ich Pläne für das Wochenende gemacht, wollte mit Freunden weggehen. In Kuba macht man sich da keine Gedanken über das Wetter. Wenn es regnet, weiß man, dass in einer Stunde wieder die Sonne raus kommt und alles wieder trocken ist. Aber hier war alles anders, ich musste mich so sehr umstellen, vieles hat mich gestört. Ich musste mich mit dem Gefühl zufrieden geben, dass alles anders ist. Und von diesen Erfahrungen erzähle ich in diesem Lied.

Weshalb bist du damals nach Deutschland gekommen?

Ich rede nicht gerne über Alter (lacht), aber ich war sehr jung. Der Grund war, dass ich in meinem letzten Jahr in Kuba in einem Tourismuszentrum gesungen habe. Ich ich habe eine Zeit lang für europäische Touristen gearbeitet und nach einem Jahr kam mein jetziger Ex-Mann als Tourist dort hin und wir haben uns sofort verliebt. Das war eine Zeit von wenigen Monaten und schon war ich in Deutschland. Das ging alles so schnell, dass ich das kaum realisiert habe (lacht). Anfangs hatte ich wirklich Albträume, weil das alles so schnell ging. Wenn man die Möglichkeit hätte, ins Ausland zu gehen und in Ruhe zu gucken, ob es gefällt oder nicht … Diese Möglichkeit hatte ich nicht und die haben die meisten Kubaner nicht. Aber ich wusste, ich war hier und musste hier leben, es gibt kein Zurück. Es hat mich bestimmt drei Jahre gekostet, bis ich wirklich angefangen habe, hier zu leben. Mein Kopf war immer noch in Kuba, das war ein ganz komisches Gefühl. Ich habe meine Familie vermisst und ich wollte Sonne (lacht). Mit der Zeit gewöhnt man sich dran, aber das dauert. Ich kenne auch Kubaner, die waren ein paar Jahre hier und haben es einfach nicht geschafft. Die sind dann zurück nach Kuba gegangen. Ich habe zum Glück dann meinen jetzigen Mann kennen gelernt und habe eine Tochter bekommen und dann ging es mit der Zeit.

Glaubst du, dass du mit deiner Musik auch ein bisschen Sonne und kubanisches Feeling nach Deutschland holen kannst?

Auf jeden Fall. Das ist etwas, das ich auch aus Kuba mitgenommen habe. Die Kubaner machen zu jedem Zeitpunkt Musik. Wenn sie traurig sind, machen sie Musik und dann haben sie wieder gute Laune. Das spielt also eine sehr wichtige Rolle bei uns. Wenn ich singe, dann fühle ich mich wie neu geboren. Davon handelt auch mein Lied „Mi Música“, es erzählt davon, wie die Musik mich immer begleitet hat und dass sie mir auch nicht fehlen darf. Ich denke immer, wenn ich die Musik nicht hätte, wäre ich halbtot (lacht).

Du bist mit deiner Musik auch schon durch ganz Europa gereist. Wie erlebst du diese Reisen?
Oh, das ist sehr schön. Ich glaube, ich habe ein Zigeuner-Herz. Ich liebe es, zu reisen und andere Länder kennen zu lernen. Manchmal ist es sehr hektisch, wenn wir an einem Tag von Deutschland nach England, Frankreich oder Italien müssen. Das war schon mal sehr anstrengend, aber es macht trotzdem Spaß. Man lernt alle Kulturen kennen und steht vor anderem Publikum. Mir kamen z.B. die Leute aus Skandinavien sehr warmherzig vor, die haben viel Spaß an Musik und man merkt, dass, auch wenn sie die Texte nicht verstehen, sie trotzdem Spaß haben. Es ist schön, von Land zu Land zu reisen und sich mit anderen Menschen dort auszutauschen.

Du warst auch schon mit ganz großen Stars gemeinsam auf Tour wie Eric Clapton, Bob Geldof oder Ringo Starr. Wie hast du das erlebt?

Das war sehr schön. Damals hatten wir eine kubanische Band und sind ein Jahr durch Europa getourt und wir konnten das gar nicht glauben, als wir damals die Zusage bekommen haben. Wir waren alle total vom Hocker (lacht). Dann standen die irgendwann plötzlich neben mir und das war wie ein Traum, ich konnte das kaum glauben.

Würdest du irgendwann nach Kuba zurückgehen wollen?
Solange Kuba so bleibt, wie es momentan ist, wahrscheinlich nicht. Ich habe mich zu sehr verändert, viele Sachen würden mir nicht mehr passen. Es ist noch ein bisschen wie ein Dritte-Weld-Land. Mir würden viele Sachen fehlen, die ich dort nicht machen könnte. Beispielsweise das Lied „I'm A Latina“, das wäre für Kuba einfach zu politisch. Für mich ist es das nicht, das sind einfach meine Erfahrungen, die ich gesammelt habe. In einem Land zu leben, in dem man nicht 100 Prozent frei ist und in dem du deine Meinung nicht offen sagen kannst, ist schwierig. Damals ging das, da war ich jung, aber heute würde mir das sehr schwer fallen.
 

 

Sebastian Heise für SUBWAY Medien / Fotocredit: H. Hoffmann

  • zurück

 

 

Weiterempfehlen

Drucken

Nach oben


  • Startseite
  • Kontakt
  • Sitemap
  • Datenschutz
  • Anbieterkennung
Ihre Zukunftsberater
Regio-Blick auf Twitter

Folgen Sie uns auf www.twitter.com/regio_blick

Twitter aufrufen


Eintracht-Tippspiel

In der neuen Saison exklusiv das 2. Bundesliga- Tippspiel von Eintracht Braunschweig mit attraktiven neuen Preisen für die Gewinner.

mehr


Kultur-News

Klassik im Park 2012 am Pfingstsonntag
mehr
Die Mobile Schokowerkstatt von Ritter Sport vom 21. bis 23. Mai in Braunschweig
mehr
Irische Frauenpower: Celtic Woman live in der Stadthalle
mehr
60. Aufführung von »Tarzan« im Kleinen Haus
mehr
Akustikpop-Trio Ich und mein Tiger in der KaufBar
mehr